Zertifiziert zu sein heißt nicht, einsatzbereit zu sein
Sechs Tage INTERSCHUTZ 2026: Was uns hunderte Gespräche über Drohneneinsätze bei Feuerwehren gezeigt haben
Wir hatten mit großem Interesse am Thema Drohnen gerechnet. Ebenso mit vielen Fragen dazu, welche Anforderungen auf BOS-Organisationen zukommen und wie diese sinnvoll umgesetzt werden können. Genau das hat sich in sechs Tagen in Hannover bestätigt.
BOS-Organisationen – also Feuerwehren, Rettungsdienste und Einheiten des Bevölkerungsschutzes – wissen, dass EGRED 2 existiert. Sie wissen auch, dass sie sich mit dem Thema Drohnenausbildung beschäftigen müssen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch woanders: in der konkreten Übersetzung in die Praxis.
Was bedeutet das für unsere Einheit? Für unsere Pilotinnen und Piloten? Für unsere Einsätze? Wie sieht ein sauberer Drohnenbetrieb im Alltag tatsächlich aus? Und wie gehen wir das strukturiert an?
Diese Fragen zogen sich wie ein roter Faden durch sechs Tage INTERSCHUTZ.
Die Lücke, die viele unterschätzen
Nahezu jede BOS-Einheit, die bereits mit Drohnen arbeitet, verfügt über A1/A3-Zertifikate. Der rechtliche Mindeststandard ist damit formal erfüllt. Genau darin liegt aber das Problem: A1/A3 bezieht sich auf die offene Kategorie des europäischen Drohnenrechts. BOS-Einsätze finden in der Praxis jedoch nur selten in dieser offenen Kategorie statt.
BOS-Einheiten fliegen nachts. Sie fliegen in komplexen Einsatzlagen. Sie fliegen in urbanen Räumen, an Einsatzstellen, in der Nähe von Menschenansammlungen oder in Szenarien, in denen jede Sekunde zählt. Teilweise geht es auch um Einsätze außerhalb der direkten Sichtverbindung, also BVLOS.
Das sind genau die Einsatzrealitäten, auf die A1/A3 weder ausgelegt ist noch ausreichend vorbereitet.
Regeln theoretisch zu kennen, ist das eine. Diese Regeln aber unter Einsatzdruck in saubere Abläufe zu übersetzen – mit klarer Rollenverteilung, passenden Checklisten und belastbaren Entscheidungen – ist etwas völlig anderes.
Dafür braucht es Ausbildung, die nicht nur rechtliche Mindestanforderungen abdeckt, sondern die operative Realität von BOS-Organisationen ernst nimmt.
Zertifiziert zu sein heißt nicht automatisch, einsatzbereit zu sein.
Dieser Satz bringt ziemlich genau auf den Punkt, was uns sechs Tage in Hannover gezeigt haben.
Was uns die Gespräche gezeigt haben
Die Gespräche auf der INTERSCHUTZ folgten einem klar erkennbaren Muster: Die Organisationen wissen, dass sie handeln müssen. Die zentrale Frage ist: Wie?
Zwei Themen kamen dabei immer wieder auf.
- Wie baut man intern eine belastbare Drohnenorganisation auf?
Eine Drohne zu beschaffen, ist in vielen Fällen nicht das Problem. Häufig ist sie bereits vorhanden. Was oft fehlt, ist die Struktur rundherum:
klare Einsatzprozesse, Checklisten, Wartungs- und Dokumentationsroutinen, definierte Verantwortlichkeiten und eine eindeutige Rollenverteilung.
- Wer ist Pilot?
- Wer übernimmt die Luftraumbeobachtung?
- Wer trifft im Einsatz die finale Entscheidung?
- Wer dokumentiert?
- Wer trägt die Verantwortung?
Immer mehr Feuerwehren erkennen: Drohnenintegration ist kein reines Technikthema. Es ist Organisationsarbeit.
- Was muss Ausbildung leisten – über den rechtlichen Mindeststandard hinaus?
In den Gesprächen wurde deutlich: Der Bedarf verschiebt sich. Weg von der reinen Technikfrage, hin zu Ausbildung, Einsatzstruktur und sicherer operativer Umsetzung.
Der Konsens war eindeutig: A1/A3 deckt die offene Kategorie ab. BOS-Einheiten bewegen sich in der Praxis aber regelmäßig in anspruchsvollen und risikoreicheren Szenarien: Nachtflüge, urbane Einsatzlagen, komplexe Einsatzstellen, Flüge in der Nähe von Menschen oder perspektivisch BVLOS.
Dafür reichen die Mindestanforderungen allein nicht aus.
Mehrere Einheiten berichteten, dass sie bereits interne Schulungen durchführen. Was jedoch häufig fehlt, ist ein systematisches, zertifizierbares und skalierbares Ausbildungsprogramm für genau die Szenarien, die im Einsatz tatsächlich vorkommen.
Aus verschiedenen Richtungen nehmen wir zunehmend dasselbe Signal wahr: Umfangreichere Ausbildungsanforderungen werden künftig mit hoher Wahrscheinlichkeit eine größere Rolle spielen. Ob und in welcher Form dies gesetzlich verbindlich wird, ist noch offen. Klar ist aber: Der aktuelle Mindeststandard bildet die operative Realität vieler BOS-Einheiten nur unzureichend ab.
Dass auch Akteure aus dem regulatorischen Umfeld den Bedarf an Weiterentwicklung sehen, zeigt deutlich, wohin die Reise geht.
Die Zusammenarbeit mit Drohne112: Wissen aus der Einsatzpraxis
Drone Flight Company / Drone Flight Academy begleitet seit Jahren professionelle Drohnenbetriebe – von Risikoanalysen über Betriebshandbücher und Ausbildungskonzepte bis hin zur praktischen Unterstützung bei der Umsetzung.
Für die BOS-spezifische Ebene war jedoch klar: Hier braucht es zusätzlich einen Partner, der die Einsatzrealität aus dem Inneren der BOS-Welt kennt.
Diesen Partner haben wir mit Drohne112 gefunden.
Christian Wegener und sein Team bringen nicht nur tiefes Drohnenwissen mit. Sie kennen die operative Praxis aus eigener Erfahrung. Sie wissen, was ein Feuerwehr-Drohnenpilot braucht, um nachts, bei Rauchentwicklung, unter Zeitdruck und in dynamischen Einsatzlagen die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Genau diese Kombination macht den Unterschied: die operative und regulatorische Infrastruktur der Drone Flight Company, verbunden mit dem einsatzspezifischen Know-how von Drohne112.
Darauf basiert unser BOS-STS-Ausbildungsprogramm.
Kein generischer Drohnenkurs, der zufällig auch für Feuerwehren geeignet ist. Sondern ein Programm, das von Grund auf für BOS-Organisationen entwickelt wurde – ausgehend von ihren Einsatzszenarien, ihren Risiken und ihrer Verantwortung.
Theorie und Praxis: das vollständige Ausbildungsprogramm
Das BOS-Ausbildungsprogramm besteht aus vier Modulen, die gemeinsam den Weg von der theoretischen Grundlage bis zur praktischen Einsatzfähigkeit abbilden.
- Online BOS-STS-EGRED 2
Die theoretische Grundlage: rechtliche Rahmenbedingungen, BOS-Ausnahmeregelung, Risikomanagement nach SORA, STS-BOS-Szenarien sowie Organisation und Rollenverteilung.
Das Modul ist vollständig online verfügbar und kann pro Pilotin oder Pilot absolviert werden.
- VLOS-Training
Praktische Ausbildung für Einsätze innerhalb der Sichtweite.
Das Training orientiert sich an realistischen BOS-Einsatzszenarien und den Anforderungen aus EGRED 2.
- Nachtflug-Training
Praktische Ausbildung für Einsätze bei Nacht.
Gerade Nachtlagen gehören zu den häufigsten und zugleich kritischsten Szenarien im BOS-Kontext. Sie stellen besondere Anforderungen an Entscheidungsfähigkeit, Kommunikation, Technikverständnis und Teamkoordination.
- BVLOS-Training
Praktische Ausbildung für Einsätze außerhalb der direkten Sichtverbindung.
BVLOS ist eines der komplexesten Szenarien, bietet aber gleichzeitig einen besonders hohen operativen Mehrwert – insbesondere bei großflächigen Einsatzlagen, Suchmaßnahmen oder schwer zugänglichen Einsatzgebieten.
Die Struktur dieses Programms entspricht genau dem, was die Gespräche auf der INTERSCHUTZ bestätigt haben: Der Bedarf geht weit über den Erwerb eines Zertifikats hinaus.
Gefragt ist ein vollständiger Ausbildungsweg, der Pilotinnen und Piloten wirklich auf die Einsätze vorbereitet, die sie in der Praxis erwarten.
Zertifiziert. Aber einsatzbereit?
BOS-Organisationen wollen Drohneneinsätze richtig aufbauen. Sie sehen die Drohne nicht mehr als Spielerei, sondern als ernstzunehmendes Einsatzmittel. Und sie wissen, dass EGRED 2 dafür eine wichtige Orientierung bietet.
Die Herausforderung liegt jetzt in der Umsetzung: in konkreten Verfahren, passenden Ausbildungsstrukturen, klaren Rollen und realitätsnahen Einsatzszenarien.
Genau hier können wir unterstützen.
Sie möchten mehr über unsere Ausbildungsmodule und den schrittweisen Aufbau eines professionellen Drohnenteams erfahren?
Dann schauen Sie sich die Informationen auf dieser Seite an oder laden Sie die Broschüre herunter.
